
Erfahrung ist wertvoll. Sie gibt Sicherheit, hilft bei der Einordnung neuer Situationen und schützt vor vorschnellen Entscheidungen.
Problematisch wird Erfahrung erst dann, wenn sie nicht mehr geprüft wird. Dann kann aus Erfahrung Gewohnheit werden – und aus Gewohnheit ein Muster, das Entscheidungen stärker prägt, als es im Tagesgeschäft auffällt.
Diese Checkliste soll keine Bewertung liefern. Sie dient als Reflexionshilfe für Geschäftsführung und Führungsteam.
1. Wiederholen wir bewährte Muster?
Wir entscheiden häufig so, wie wir es in ähnlichen Situationen früher getan haben.
Neue Vorschläge werden ernsthaft geprüft, auch wenn sie nicht zur bisherigen Vorgehensweise passen.
In unseren Diskussionen fällt häufig der Satz: „Das hat bisher immer funktioniert.
Bei manchen Themen hinterfragen wir kaum noch, warum wir eigentlich so handeln.
Wir können gut begründen, warum eine bewährte Vorgehensweise auch heute noch richtig ist.
2. Prüfen wir unsere Annahmen?
Wir sprechen offen darüber, welche Annahmen hinter wichtigen Entscheidungen stehen.
Frühere Erfahrungen werden manchmal übernommen, ohne ihre heutige Gültigkeit ausreichend zu prüfen.
Wir fragen uns bewusst, ob Kunden, Mitarbeiter oder Wettbewerber heute anders reagieren als früher.
Gegenargumente werden gehört, verändern aber selten die Richtung der Entscheidung.
Vor wichtigen Entscheidungen prüfen wir, was sich gegenüber vergleichbaren Situationen aus der Vergangenheit verändert hat.
3. Verwechseln wir Sicherheit mit Vertrautheit?
Bekannte Lösungen fühlen sich oft sicherer an als neue, auch wenn sie nicht zwingend besser sind.
Ungewohnte Vorschläge werden bei uns nicht vorschnell als riskant bewertet.
Entscheidungen werden manchmal vertagt, weil neue Wege noch nicht ausreichend bewiesen wirken.
Wir bevorzugen Lösungen, die intern leicht vermittelbar sind, auch wenn andere Optionen strategisch stärker sein könnten.
Wir unterscheiden bewusst zwischen einem echten Risiko und einem ungewohnten Vorgehen.
4. Lernen wir aus Erfahrung – oder bestätigen wir uns nur?
Frühere Erfolge dienen häufig als Begründung dafür, so ähnlich weiterzumachen.
Nach wichtigen Entscheidungen analysieren wir, was tatsächlich funktioniert hat und was nicht.
Wir unterscheiden nicht immer klar zwischen echter Erfahrung und persönlichen Vorlieben.
Die Frage „Was war damals anders als heute?“ wird bei uns regelmäßig gestellt.
Frühere Fehlentscheidungen werden offen betrachtet, ohne sofort nach Schuldigen zu suchen.
5. Wie entscheidet unser Führungsteam?
Im Führungsteam gibt es unterschiedliche Perspektiven, die Entscheidungen sichtbar beeinflussen.
Widerspruch wird eher als Störung empfunden als Beitrag zur besseren Entscheidung.
Entscheidungen werden mit Erfahrung begründet, ohne die aktuelle Situation ausreichend neu zu prüfen.
Neue Führungskräfte oder externe Perspektiven werden schnell als Unruhe wahrgenommen.
Verantwortliche können erklären, warum sie eine Entscheidung treffen – nicht nur, dass es bisher so gemacht wurde.
Diese Checkliste liefert keine Ergebnisnote. Sie soll sichtbar machen, welche Fragen Anlass zur Diskussion geben – besonders dort, wo Einschätzungen schwerfallen oder im Führungsteam deutlich auseinandergehen.
Aussagekräftig sind nicht nur einzelne Werte, sondern auch Unterschiede in der Wahrnehmung. Wenn mehrere Personen dieselbe Aussage sehr unterschiedlich bewerten, kann genau dort ein wichtiger Gesprächspunkt liegen.
Die zentrale Frage lautet:
Handeln wir aus reflektierter Erfahrung – oder folgen wir bereits einer Gewohnheit?